Beispiel 1. Strategem

Der Samurai und die Ratte

 

Einst lebte ein Samurai, ein japanischer Krieger, in seinem Haus und wurde von einer großen Ratte geplagt. Sie war so schnell und so schlau, dass der Samurai sie nicht fangen oder töten konnte und das ärgerte ihn so maßlos, dass er eines Tages in die Stadt ging, um sich eine Katze zu kaufen.

 

Ein Straßenhändler, dem er seine Nöte erzählte, verkaufte ihm einen Kater, von dem er behauptete, dass er flink und geschickt sei, um die Ratte zu töten. Und tatsächlich machte er den Eindruck, die Ratte sofort zur Strecke bringen zu können.

 

Zu Hause angekommen stellte sich heraus, dass die Ratte sogar noch schneller als ihr Jäger war und der Samurai brachte ihn nach einer erfolglosen Woche zum Händler zurück. Dieser hatte eine weitere Katze in seiner Obhut, die noch größer war und so gemein, dass der Straßenhändler den Erfolg garantierte.

 

Aber die Ratte war schnell und schlau und hatte nach kurzer Zeit herausgefunden, dass die Katze nur die Hälfte des Tages wach war und während der anderen Zeit bräsig in der Sonne lag und schlief. Während dieser Tageshälfte konnte sich die Ratte unbehelligt bewegen, so dass auch diese Katze keinen Nutzen brachte. Der Samurai brachte auch sie wieder zum Straßenhändler zurück und erhielt den Kaufpreis erstattet. Der Händler schüttelte nur den Kopf und wusste keinen weiteren Rat.

 

Auf dem Heimweg begegnete der Samurai einem Mönch, der bettelnd am Straßenrand stand. Vor seinen Füßen lag eine alte, fette und fast blinde Katze, die fest schlief und von dem ganzen Geschehen nichts mitbekam.

Der Samurai sprach zu dem Mönch und erzählte ihm seine Geschichte und fragte, ob er wohl einen Rat für ihn hätte. Da gab ihm der Mönch die Katze, die lange Jahre in einem Tempel gelebt hatte und sagte ihm, dass er diese Katze bekommen würde, wenn er sie gut füttere und behandle. Der Samurai war sehr skeptisch, aber nahm die Katze dennoch mit, weil der Mönch sie ihm schenkte.

 

Nach zwei Wochen war immer noch nichts passiert. Die Katze schlief den ganzen Tag, wachte nur zum fressen auf und schlief dann weiter, während die Ratte dem genervten Samurai weiterhin auf der Nase herumtanzte. Bis dieser wieder zum Mönch ging, um ihm die untätige und faule Katze zurück zu bringen. Dieser bestand aber darauf, dass die Katze noch einige Zeit beim Samurai verbringen sollte und garantierte ihm, dass die Tage der Ratte gezählt seien.

 

Mittlerweile hatte sich die Ratte an die schlafende Katze gewöhnt und nahm kaum noch Notiz von ihr. Sie rannte wie früher auch im Haus umher und tanzte gelegentlich sogar dreist direkt vor der Katze. Und diese schlief weiter. Dann, einige Tage später, lief die Ratte ohne Bedenken über den Hof, direkt vor der Nase der schlafenden Katze vorbei, als diese plötzlich ihre Krallen zeigte, sie in die Ratte bohrte und sie mit einem Biß ins Genick tötete.