2. Strategem

Wei belagern, um Zhao zu retten

 

Kategorie:

Überlegenheitsstrategie

 

Sinnhaftigkeit: 

Teile die Kräfte des Gegners, statt sie zu einen. Er soll den ersten Schuss abgeben und nicht Du. Verbünde Dich mit dem Schwächeren oder greife ihn an, wenn der Gegner sein Schutzpatron ist. 

 

Strategemziel:
  • Angriff auf seine ungeschützte Schwachstelle 
  • Überraschungseffekt dort nutzen, wo der Gegner es nicht erwartet 
  • Stoß-ins-Leere-Strategem 
  • Achillesfersen-Strategem 
  • Sieg ohne Kampf 
  • Geisel-Strategem (im übertragenen Sinne;
    keine Aufforderung)
     

 

Taktik: Wenn der Feind oder Gegner zu groß oder zu mächtig ist, ihn direkt anzugreifen, dann greife etwas an, das ihm besonders am Herzen liegt oder für das er sich verantwortlich fühlt. Sentimentalität ist eine Schwäche wie die schwächste Stelle einer Rüstung, in die Deine Lanze eindringen kann. Der Gegner wird an seiner schwachen Stelle, seiner sog. Achillesferse angegriffen, um sein ursprüngliches Ziel nicht mehr verfolgen zu können.

 

Geschwächt durch seine eigene Verletzbarkeit muss er sich der eigenen Verteidigung stellen und von seinem Primärziel ablassen. Denke daran, dass kein Gegner so übermächtig ist, dass er nicht irgendwo eine schwache Stelle hat, die man angreifen oder für die eigenen Vorteile nutzen kann.

 


Wie man das 2. Strategem verwendet:

 

  • Sun Tzu Bing Fa schreibt über das Prinzip der Fülle und der Leere. „Vermeide die Fülle (oder die vom Feind besetzten Gebiete) und bevorzuge die Leere (also der Bereich, in dem der Feind sich nicht aufhält)“.

  • Sun Tzu Bing Fa sagt, „….. er (der Gegner) wird einen Kampf nicht vermeiden können, denn wenn der Gegner angreift, wird er zur Rettung beistehen. 

 

Warnung: Strategeme sind nicht immer wohlwollend, freundlich oder ihre Anwendung gar ethisch vertretbar. Manche Strategeme führen bei falscher Anwendung zu strafbaren Handlungen.

 

Dies ist weder das Ziel dieser Information, noch fordere ich zu entsprechendem Handeln auf. 

 

Ich mache lediglich auf die Möglichkeiten der Anwendung aufmerksam und benenne dass beim Namen, was seit vielen Jahrhunderten der Anwendung chinesischer Kunst der List praktiziert wird. Strategeme verfolgen stets ein ganz persönliches Ziel. Jeder beachte jedoch vor Einsatz dieses (und jeden anderen) Strategems die eigene persönliche Integrität. Überprüfen Sie stets, ob Ihr Handeln mit Ihrem persönlichen und dem kollektiven Wertesystem übereinstimmt. Handeln Sie ethisch, so wie das kollektive Wertesystem religiös, politisch oder humanistisch begründet ist. Und seien Sie keineswegs korrumpierbar, weil Sie Ihre eigenen Werte und Prinzipien der Verlockung halber aufgeben!

 

Grundsätzlich können Strategeme konsequent oder in abgeschwächter Form verwendet und an die jeweilige Persönlichkeit, Situation und ethischer Grundsätze angepasst und angemessen verwendet werden.

 

  • Sun Tzu Bing Fa schreibt über das Prinzip der Fülle und der Leere. „Vermeide die Fülle (oder die vom Feind besetzten Gebiete) und bevorzuge die Leere (also der Bereich, in dem der Feind sich nicht aufhält)“. 

 

Er sagte "Will man einen Knoten entwirren, dann sicher nicht durch gewaltsames Ziehen und Reißen. Will man Streithähne voneinander trennen, dann sicher nicht durch eigenes Eingreifen in die Schlägerei. Will man die Belagerung beenden, dann ist es am besten, wann man die Fülle, also die Region, in der der Feind massiert ist, meidet und statt dessen in die Leere, also in den Raum, der vom Feind entblößt ist, vorstößt."

 

(Harro von Senger, Strategeme, Band 1, S. 57)

 

Ying und Yang, Fülle und Leere, hell und dunkel, oben wie unten, außen wie innen sind Polaritäten, die unser Leben begleiten. Diese Prinzipien sind auch beim 2. Strategem anzuwenden und sind stets die Ursache und die Wirkung für die nachfolgenden beispielhaften Geschichten:

 


Siegfried der Drachentöter

 

Siegfried, der Drachentöter aus der Nibelungensage, hatte seinen schwachen Punkt im Nacken. Erfolgreich bekämpfte er einen Drachen und tötete ihn durch Streiche mit seinem Schwert. Das Blut schoss in Fontänen aus dem Hals des waidwund getroffenen Tieres, besudelte Siegfried von oben bis unten und machte ihn durch das getrocknete Blut unverwundbar. Einzig im Genick legte sich ein Blatt nieder und diese Stelle sollte fortan sein einziger verwundbarer Punkt sein. Siegfried war groß, besaß gewaltige Kräfte und strahlte voller Jugendschönheit. Seine Augen waren so scharf, dass niemand hinsehen konnte. Dann war er noch voraussichtig, redegewandt, auf das Wohl seiner Freunde bedacht und kannte niemals Furcht.

 

Ein solcher Mann hat viele Neider und Feinde. Doch ein Frontalangriff auf ihn wäre einem Selbstmord gleich gekommen. Niemand konnte ihn besiegen, so dass der Angriff nicht von vorne kam, sondern von einer völlig unerwarteten Seite: hinterrücks und heimtückisch von einem Vertrauten: Hagen von Tronje. Königin Brunhild wird durch eine List und Vortäuschung von Liebe von Siegfried entjungfert und schwört ihm Rache. Als Hagen von Siegfrieds Vergehen erfährt, schwört er ihm ebenfalls Rache, doch einer direkten Konfrontation mit Siegfried wäre er niemals überlegen. Kriemhild, die Siegfried liebt, kennt dessen schwache Stelle. Als Hagen und Siegfried gemeinsam in den Krieg ziehen, wendet sich Kriemhild vertrauensvoll mit der Bitte an Hagen, dieser möge Siegfried beschützen. Durch eine List erfährt Hagen von der schwachen Stelle Siegfrieds und bittetKriemhild, diese durch einen weißen Flicken auf seinem Hemd kenntlich zu machen. Als sich während einer Schlacht die Gelegenheit bot, rammte Hagen Siegfried hinterrücks das Schwert in die schwache Stelle und tötete ihn damit.

 

 

 

Somit brauchte Hagen keine direkte Konfrontation mit Siegfried, sondern er musste nur ruhig auf eine Gelegenheit warten, um an der schwachen Stelle zuzuschlagen und seinen Feind zu töten.

 


Fleet-in-being – ausgeruhte Kräfte bereithalten

 

Ein Beispiel für die Teilung einer Streitmacht gibt der Seekrieg mit einer stationierten Flotte, die nur im Hafen liegt und auf den Feind wartet, um ihn an seiner schwächsten Stelle anzugreifen, einer so genannten „Fleet-in-being“. Hier wird eine Flotte mit einer bestimmten Anzahl an Streitkräften in einem geschützten Hafen versammelt und sie ist zum Auslaufen bereit. Sie tut es aber nicht, weil grundsätzlich kein Grund vorliegt. Ein potenzieller Feind weiß um die Existenz dieser Flotte und ist nun gezwungen, seine Kräfte zu teilen: Einerseits um seine beabsichtigte feindliche Handlung durchzuführen und andererseits, um die „Fleet-in-being“ in Schach zu halten. Die feindliche Flotte muss in jedem Fall so groß sein, dass sie der im Hafen liegende Flotte gewappnet ist, um selbst nicht vernichtet zu werden. Somit werden Kräfte gebunden, die für andere Kampfhandlungen dringend benötigt würden. Der Befehlshaber der im Hafen liegenden Flotte verfügt jedoch über ausgeruhte Kräfte, die im Gegensatz zu der in Lauerstellung und damit in ständiger Alarmbereitschaft bestehende Flotte, und kann sich in Ruhe auf ein mögliches Auslaufen vorbereiten und den Zeitpunkt dafür bestimmen.

 

Zudem ist der Gegner noch zu weiteren Maßnahmen gezwungen: Ein im Hafen liegender Kampfverband bedroht auch die Schifffahrtswege, so dass der Feind gezwungen ist, Konvois zu bilden. Diese wiederum müssen sich zunächst finden, was erhebliche Zeitverluste der zuerst ankommenden Schiffe verursacht. Dann kann der Konvoi nur so schnell fahren, wie es das langsamste Schiff vermag. Am Zielgebiet angekommen verteilen sich die Schiffe auf die jeweiligen Häfen, was zu einem Stau führen kann, weil die Entladekapazitäten des Hafens für so viele Schiffe nicht ausgelegt sind. So ist die Versorgung eines Landes erheblich beeinträchtigt und bindet Kampfschiffe, die zur Verteidigung bzw. zum Schutz des Konvois eingesetzt werden müssen.

 


Strategem der Geiselnahme

 

Wie bereits am Anfang dieses Strategems erwähnt, möchte ich mit der Erläuterung zu diesem Strategem keinerlei strafbaren Handlung Vorschub leisten, sie rechtfertigen oder gar empfehlen. Gleichwohl ist dieses Strategem darauf ausgelegt, dass eben auch ein extrem mächtiger Gegner seinen Schwachpunkt hat, der ausgelotet und gezielt angegriffen werden kann. So werden beispielsweise Kinder von Prominenten (gleichgültig, ob berühmt oder mächtig) nicht nur deshalb von der Öffentlichkeit ferngehalten, weil es ihnen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung schaden könnte, stets mit einer prominenten Persönlichkeit in Verbindung gebracht zu werden, sondern auch, um Entführungen zur Lösegelderpressung vorzubeugen. Der reichste und mächtigste Mensch liebt seine Kinder und ist bereit, sie gegen ein mögliches Lösegeld einzutauschen. Seine Kinder sind in diesem Fall dessen Achillesferse.
Auch Prominente selbst sind Opfer von Entführungen, weil sich deren Entführer finanzielle oder politische Vorteile erhoffen und mit Gewalt durchsetzen wollen. Und selbstverständlich Flugzeuge, Passagierschiffe und Menschenansammlungen aller Art.

 

Beispiele gibt es genug in der Kriminalgeschichte: Die Reemtsma-Entführung, Hanns-Martin Schleyer, Richard Oetker, Jakob von Metzler, die Entführung der Lufthansa-Maschine „Landshut“ während der Olympiade 1972 in Deutschland und viele mehr.

 

Beispiele bieten auch Kinofilme wie beispielsweise „Crimson Tide“, in dem es gleich mehrmals um das 2. Strategem geht.

 

Ein mit nuklearen Interkontinentalraketen bewaffnetes Atom-U-Boot soll während einer Russland-Krise Atombomben auf die UDSSR abfeuern. Russische Nationalisten halten eine nukleare Raketenbasis in Kamtschatka besetzt und bereiten die dortigen nuklearen Interkontinentalraketen zum Start vor. Mit ihnen wollen sie die Welt mit ihren politischen Forderungen erpressen und drohen mit einem Abschuss dieser Waffen, falls sie nicht erfüllt würden. Der Ausbruch eines Atomkriegs steht unmittelbar bevor. Der Kapitän des U-Bootes erhält den Befehl, die feindliche Basis durch einen Präventivschlag nach Fristablauf einer Stunde zu zerstören. Während der Vorbereitungen auf das Abfeuern wird das Boot durch ein russisches Jagd-U-Boot angegriffen, dessen Besatzung zu den Nationalisten übergelaufen war. Bei der erfolgreichen Abwehr des Angriffs werden wichtige Kommunikationseinrichtungen beschädigt, so dass ein wichtiger Funkspruch („Emergency Action Message“) des Pentagon nur unvollständig empfangen werden kann. Der

 

Erste Offizier des U-Bootes weigert sich daraufhin, seine zum Abschuss der eigenen Raketen notwendige Zustimmung zu geben, denn er vermutet einen Widerruf in dem unvollständig empfangenen Funkspruch. Er drängt auf eine Rückfrage nach erfolgreicher Instandsetzung der Funkanlage. Der Kommandant will die Raketen jedoch trotz Bedenken des Ersten Offiziers abfeuern und nutzt dabei das 2. Strategem: Weil der Erste Offizier keine Anstalten macht, den Code für das Abfeuern der Raketen einzugeben, setzt der die Pistole an die Schläfe eine völlig unbeteiligten Matrosen und droht dem Ersten Offizier mit dessen Ermordung, falls er den Code nicht eingeben will. Dieser überwältigt jedoch den Kommandanten und enthebt ihn des Kommandos, weil dieser die Marinevorschrift des „Vier-Augen-Prinzips“ umgehen und die Raketen auch ohne die Zustimmung des Ersten Offiziers abfeuern will.
Wenig später gelingt es dem abgesetzten Kommandanten, wieder die Befehlsgewalt über das Schiff zu übernehmen und leitet die Startphase zum Abschuss der Raketen ein.

 


Die historische Gegebenheit hinter dem 2. Strategem:

 

Das Ereignis, das das 2. Strategem begründete fand um 354 v. Chr. statt. Die Streitkräfte des Staates Wei griffen den Staat Zhao mit einer erheblichen Übermacht an und belagerten die Hauptstadt des Staates Zhao.

 

Der Staat Zhao bat den Staat Qi um Hilfe. Allerdings stand fest, dass selbst ein Zusammenschluss beider Armeen, also der Staaten Zhao und Qi in ihrer Gesamtheit nicht ausreichten, um die Soldaten des Staates Wei empfindlich treffen zu können.

 

Daher entschieden die Generale des zu Hilfe eilenden Staates Qi, die feindliche Hauptstadt des Staates Wei anzugreifen. Als die Frontsoldaten des Staates Wei, die bekanntlich gegen Zhao zu Felde zogen, dies erfuhren, wurde sofort ein Teil der Streitkräfte in ihre eigene Hauptstadt befohlen und sie machten sich in einem erheblichen Tempo auf den Weg. Nun ist China recht groß und die Elitekrieger mussten zu Fuss rennend ihre eigene Hauptstadt erreichen, um sie vor der feindlichen Belagerung zu retten. In ihrer Hauptstadt angekommen, waren sie so erschöpft, dass die Soldaten des zur Hilfe geeilten Staates Qi die Kämpfer mit Leichtigkeit vernichtend schlagen konnten.
Die um ihre Elite-Soldaten dezimierte Angriffsarmee in Zhao war ihrerseits wiederum so geschwächt, dass auch die Soldaten des Staates Zhao die Angreifer aus Wei vernichten konnten.
 


Download
PDF-Download 2. Strategem
Nur für kurze Zeit dürfen Sie sich das PDF kostenlos downlaoden. Wir arbeiten gerade an einer neuen Version, so dass Sie demnächst ein Update erwarten dürfen.
2-Strategem.pdf
Adobe Acrobat Dokument 203.2 KB

Hier geht es zum 3. Strategem