3. Strategem

Mit dem Messer eines anderen töten
Mit geborgtem Schwert töten

 

 

 

 

Kategorie:

Überlegenheitsstrategie

 

Sinnhaftigkeit: 

Wenn Du einen Gegner vernichten willst, nutze die Kräfte eines Dritten und schone Deine eigenen Kräfte wenn möglich.

 

Strategemziel:

ENTWEDER:
Das Ergebnis nicht selbst herbeiführen, sondern einen Dritten dazu gewinnen
Nutze den Strohmann für Deine Zwecke
(„Strohmann-Strategem“)
Suche Dir einen Stellvertreter
(„Stellvertreter-Strategem“)
ODER:
Schädige Deinen Gegner durch indirekte Weise und halte Dich im Hintergrund
Mache Dich nicht verdächtig („Alibi-Strategem“)
Handle ohne aktives Zutun („Schreibtischtäger-Strategem“)

 

Taktik: Wende die Kräfte des Gegners gegen ihn selbst an und renne nicht blindlings auf den Kampf zu. Gefahren und Unsicherheit sind damit verbunden und Du riskierst eine Niederlage. Reagiere nicht, bewahre Deine Kräfte und warte ab.



Seien Sie ein kluger Stratege. Rennen Sie nicht blindlings auf einen Streit oder Kampf zu, denn das ist nur mit Gefahren und Unsicherheiten verbunden und Sie riskieren eine Niederlage. Entspannen Sie sich und bleiben Sie locker. Reagieren Sie zunächst nicht und bewahren dabei Ihre Kräfte und beobachten Ihren Gegner und seinen nächsten Schritt. Wenn Sie einen Partner oder Verbündeten Ihres Gegners kennen, nutzen Sie diesen zu Ihrem Vorteil. Spannen Sie diese Person in Ihren Kampf ein und erhalten dabei Ihre eigenen Kräfte. Erreichen Sie durch den Verbündeten Ihres Gegners die Ziele, die Sie sich selbst gesteckt haben – und machen dabei keinen Finger krumm.

 

Beim 3. Strategem geht es um die Kunst des „leihens“ von Ressourcen Dritter. Sie können es überall nutzen, wo Sie Feindseligkeiten ausgesetzt sind. Studieren Sie es gründlich. Je intensiver Sie es studieren, um so wirkungsvoller werden Sie bei sich ergebenden Gelegenheiten einsetzen können. Notfalls verwenden Sie „mehrere Messer“, also mehrere Kräfte zum Schaden Ihres Gegners. Er könnte sich damit selbst außer Gefecht setzen oder eine Strategie verwenden, die ihn ins Leere laufen lässt und Ihnen zum Vorteil gereicht. Rücken Sie Ihren Feind in ein schiefes Licht und säen innere Zwietracht zwischen Ihren Gegnern und Sie werden Ihre Vorteile daraus ziehen können.

 

 

 

Das „Buch der Wandlungen“ gibt hier den Hinweis auf die „Minderung“ mit dem dazu gehörigen Bild: Unten am Berg ist der See – das Bild der Minderung!

 

Die Metapher: Der Edle bändigt seinen Zorn und hemmt seine Gelüste. Der kluge Stratege („Edle“) wirkt aus seiner Kraft heraus ( „dem Berg“) auf den Gegner ( „ dem See“) ein und kontrolliert ihn. Weder die „Wogen der Wut“, noch „der Stachel der Begierde“ bringen ihn aus dem Takt, denn das Gegenteil ist der Fall: Ist der Schlachtführer ungestüm und impulsiv, ist er getrieben von der Gier nach Eroberung und unternimmt in dieser Situation einen Frontalangriff, dann geht er das Risiko aller Gefahren und Unwägbarkeiten einer Schlacht ein.

 

Der gelassene Stratege ist passiv, ohne lethargisch zu sein, beobachtet das Feld und schätzt die Situation so ein, dass er sich ihr optimal anpassen kann. Er nutzt seine Vorteile und wendet so wenig Kraft wie möglich auf und so wenig Risiko wie nötig.

 

Die historische Gegebenheit hinter dem 3. Strategem:

 

Wie Harro von Senger in seinem Werk „Die Kunst der List“ S. 56 anführt, gibt es zur Strategieformel Nr. 3 keine bestimmte Begebenheit, die sich historisch auf diese Listtechnik bezieht. Vielmehr gibt es verschiedene Varianten zu diesem Strategem und die erste urkundliche Erwähnung dieses Strategems fand um die Ming-Zeit (1368 – 1644) statt. Im Drama „Drei Glückwunschgründe“ hatte es ein Verschwörer auf einen Beamten abgesehen und wollte ihn möglichst elegant loswerden. Also empfahl der Verschwörer diesen Beamten, der ohne militärische Kenntnisse war, beim Kaiser zum Oberbefehlshaber der Streitkräfte, weil dieser, also der Kaiser, gerade gesonnen war, gegen den aufständischen Zhao Yuanhao zu Felde zu ziehen. Aus Sicht des Verschwörers eine gute Chance, den ungeliebten Beamten loszuwerden, denn dieser dürfte wegen seiner geringen militärischen Ausbildung und Kenntnisse dem gegnerischen Zhao Yuanhao unterlegen sein und durch dessen Streich zu Tode kommen. Dem Beamten geschieht indes nur Gutes, denn er erfährt durch die Beförderung zum Oberbefehlshaber der Streitkräfte zunächst Ruhm und Ehre. Dann wird er ehrenvoll an die Front befördert und von dort ehrenvoll direkt ins Jenseits.

 

 

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