5. Strategem

Eine Feuersbrunst für einen Raub ausnutzen

 

Kategorie:

Überlegenheitsstrategie

 

Sinnhaftigkeit: 

Die Schwäche, Not, Schwierigkeiten, Krise eines Gegners nutzen, um ihn anzugreifen. Das dort vorhandene Chaos für den eigenen Vorteil nutzen.

 

Strategemziel:

Den Gegner in Katastrophen stürzen, ihn in die Knie zwingen um selbst anzugreifen
Sich durch die vorübergehende Schwäche des Gegners selbst stark machen
Aasgeier-Strategem

 

Taktik: Den Gegner in Schwierigkeiten bringen oder vorhandene Schwierigkeiten nutzen, um ihn zu schwächen und ihn leicht zu besiegen.  „Innere“ und „äußere“ Krisen schwächen den Gegner und machen ihn zu einem leichten Opfer. Wenn sich der stärkere Gegner sich in einer Notsituation oder Krise befindet, müssen wir die Chance ergreifen und die Situation zu unserem Vorteil nutzen, indem wir ihn dann angreifen, wenn er am schwächsten ist.

 


Um es noch einmal ganz deutlich zu machen: Dieses Strategem ist keine Aufforderung zu kriminellen Handlungen, denn Gelegenheiten dieser Art kommen auch ohne eigenes Zutun: Eine tatsächliche Feuersbrunst verhindert eigenes wirtschaftliches Handeln. Als Konkurrenzunternehmen springen Sie als möglicher Lieferant an die bisherigen Kunden des Gegners gerne ein und zeigen Ihre Vorteile in besonderer Weise.

 

Gutes Beispiel war die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika, als sich der Kapitän der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft, Michael Ballack, so stark verletzte, dass er selbst nicht an diesem bedeutendsten Fußballturnier der Welt teilnehmen konnte. Als sein Nachfolger Philipp Lahm sich in das Spiel eingefunden und die Mannschaft unerwartete Erfolge erzielte, machte dieser seine dauerhaften Ansprüche auf dieses einflussreiche Amt geltend und verdrängte den bisherigen „Capitano“ dauerhaft.

 

 

 

Dieses Strategem zeigt im übertragenen Sinne, dass man sich im Falle des Chaos beim Gegner schnell entscheiden muss, seine eigenen Vorteile darin zu sehen und sie unbedingt auszunutzen. Treten Sie entschieden auf und konfrontieren Sie Ihren Gegner mit Ihrer Stärke. Jede uns bekannte Kampfkunst setzt darauf, den Augenblick der Schwäche des Gegners auszunutzen und zum eigenen Sieg zu nutzen. Nutzen wir diese Schwäche –und damit unsere eigene relative Stärke nicht zum Sieg, kann sich der Gegner wieder erholen und Ihnen gefährlich werden. Es bieten sich nicht oft Chancen, seinen starken Gegner zu besiegen.

 

Die historische Gegebenheit hinter dem 5. Strategem:

 

In der Frühlings- und Herbst-Periode befanden sich die Könige der Länder Wu und Yue, seit Jahren miteinander im Krieg. Anfangs besiegte Fu Chai, der König von Wu, seinen Gegner Gou Jian, der König von Yue war. Gou Jian musste sich dem König Fu Chai beugen und wurde sein vermeintlich treuer Vasall. Doch Gou Jian war nicht wirklich besiegt, denn im Geiste sann er nach Rache und Vergeltung. Jeden Tag lief Gou Jian die Gallenblase vor Ärger über und er wurde immer wieder an seine Niederlage erinnert. Sein Rachedurst stieg mit den Jahren mächtig an und er begann, sein Land wieder militärisch aufzurüsten und den Gegenschlag zu planen. 20 Jahre dauerte es , bis Gou Jian seine Chance gekommen sah. Der Staat Wu wurde mittlerweile von korrupten Beamten regiert und ihr König Fu Chai war arrogant und dekadent geworden, unfähig zu regieren. Fu Chai richtete sogar führende Beamte hin, die dessen Lebensführung kritisiert und ihn vor Gou Jian gewarnt hatten. Krankheiten machten sich im Lande Wu breit und es starben viele Menschen. Zudem legte eine Dürreperiode die Flüsse trocken.

 

Fu Chai konnte nicht zum Einlenken bewegt werden, weil er seine eigene Stärke arrogant als übermächtig ansah. Zudem wollte er allen zeigen, dass er noch in der Lage war, andere Länder zu erobern und deren Könige zu besiegen, so dass er seine Arme in einen Angriffskrieg führte, während sein Land im Chaos versank. Seinem Feind Gou Jian erschien dies ein günstiger Moment, das Land Wu anzugreifen und seine Schmach von vor 20 Jahren zu tilgen. Und so rächte sich Gou Jian am König von Wu, Fu Chai, in einem Moment dessen momentaner Schwäche.

 

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