6. Strategem

Im Osten Lärm machen – im Westen angreifen

 

Kategorie:

Überlegenheitsstrategie

 

Sinnhaftigkeit: 

Einen Angriff für einen Ort (sinnbildlich für „Osten“) ankündigen und an einem völlig anderen Ort (sinnbildlich für „Westen“) angreifen.
Dieses Strategem basiert auf Ablenkungsmanöver, um die tatsächliche Absicht zu verschleiern („Ablenkungs-Strategem“ oder „Verschleierungs-Strategem“).
Der angegriffene Ort wird nur zum Schein angegriffen, um den tatsächlichen Angriff an anderer Stelle vorzubereiten bzw. einzuleiten („Scheinangriffs-Strategem“)

 

Strategemziel:

Ziel dieses Strategems ist die Verwirrung des Gegners mit dem Ziel, dass dieser die Lage nicht mehr richtig einzuschätzen vermag. Durch die Stiftung von Verwirrung wird der Gegner gezwungen, seine Deckung zu verlassen, um sich verwirrt zu orientieren und zu versuchen, den Überblick zu gewinnen. Diese Verwirrung muss der Angreifer nutzen

 

Taktik: Erstelle eine Finte, um dem Gegner Glauben zu machen, dass ein Angriff im „Osten“ stattfindet, während der Angriff tatsächlich im „Westen“ durchgeführt wird. Der Gegner wird dort angegriffen, wo er es nicht vermutet, nachdem an anderer Stelle ein „Warnschuss“ abgegeben oder ein „Scheinangriff“ stattgefunden hat. Auf diese Art findet ein Überraschungsangriff statt.

 


Besonnenheit, Ruhe und Gelassenheit war schon immer die Stärke von erfolgreichen Strategen. Bricht man die Ruhe durch einen Angriff an einer Stelle, die der Gegner nicht erwartet, dann stiftet dies Unruhe und der Gegner ist gezwungen, sich neu zu orientieren. Selbst bei besonnener und gelassener Betrachtung des Schlachtfelds dient das Strategem dem Überfall an anderer Stelle, die der Feind nicht beachtet. So steht es im „Buch der Wandlungen“: Der See ist oberhalb der Erde. Greife den Gegner an, wenn er darauf nicht vorbereitet ist und an einem Punkt, an dem er Dich nicht erwartet (frei nach Sun Zi).

 

 

 

Die historische Gegebenheit hinter dem 6. Strategem:

 

 

Während sich im Jahre 205 v. Ch. Siang Yu auf einer Erkundung im Staat Ci befand, überquerte Liou Bang den Gelben Fluß. Wei Bao, der König von Wi, putschte gegen Liou Bang, obwohl er Jahre zuvor in einem Krieg kapitulieren musste. Darauf hin entsandte Liou Bang seinen General Han Sin, um die Revolte zu beenden.

 

Während dessen ernannte Wei Bao den General Bo Jhih zum Oberbefehlshaber seiner Truppen und verlegte sie nach Pu Ban, einer Stadt am östlichen Ufer des Gelben Flusses, um die Armee von Han Sin zu beobachten. Dieser lagerte auf dem Westufer des Flusses und sammelte Hunderte von Schiffe, um den Fluß zu überqueren. Nachts konnte man überall am Ufer Fackeln auf Schiffen sehen, die jederzeit zur Flußüberquerung bereit waren. Selbstverständlich bemerkte dies Bo Jhih, der General des Staates Wei, und ordnete seine Truppen so entlang des Gelben Flusses, dass sie die Boote jederzeit zerstören konnten, falls sie den Fluß überqueren sollten. Bo Jhih bemerkte jedoch nicht, dass Han Sin den Hauptteil seiner Truppen nach Sia Yang befohlen hatte, einer Stadt 80 Kilometer stromabwärts. Dort setzten die Soldaten mit ihrem Material auf einer provisorischen Brücke aus Fässern und leeren Flaschen über. Während die Truppen von Ban Pu flußauwärts auf einen Angriff der dort liegenden Schiffe warteten, hatte Han Sin seinerseits bereits den Fluß überquert und die Hauptstadt des Staates Wei angegriffen. Als Bo Jhih die Strategie bemerkte, war es für die Rettung der Hauptstadt von Wei zu spät. In einer Schlacht konnte Bo Jhih lebend gefangen werden.

 

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