7. Strategem

Aus dem Nichts etwas erzeugen/erstellen

 

 

  

 

Kategorie:

Gegenangriff

 

Sinnhaftigkeit: 

Erstellen Sie etwas aus dem Nichts
Etwas aus dem Nichts hervorbringen
Etwas schaffen, was vorher Nichts war

 

Strategemziel:

Dem Gegner eine offenkundige Lüge dauerhaft so präsentieren, dass er sie nicht mehr ernst nimmt, seine Aufmerksamkeit nachlässt und so den Angriff zu spät bemerkt, weil er die nunmehrige Wahrheit nicht erkennt.
Einen Vorteil daraus erzielen, dass der Gegner die offenkundige Lüge durchschaut und seine Aufmerksamkeit dadurch nachlässt.
Den Gegner durch eine offenkundige Lüge bzw. Übertreibung das Gefühl der Überlegenheit geben, weil er sich sicher ist, die List durchschaut zu haben, jedoch die wirkliche Absicht nicht erkennt.

 

Taktik: Aus einem offensichtlichen Trugbild eine potenzielle Gefahr erzeugen.
Einen Vorteil daraus ziehen, dass der Gegner sich in seiner (falschen) Einschätzung sicher fühlt und seine Aufmerksamkeit nachlässt.

 


Das 40. Kapitel des Buches von Tao Te King beschreibt das 7. Strategem wie folgt:

 

„Die (zehntausend) Dinger dieser Welt entstehen aus dem Sein, das Sein entsteht aus dem Nicht-Seienden“, was soviel bedeutet, dass jedes Ding, bevor es entstand, inexistent war, also gewissermaßen aus dem Nichts entstanden ist.

 

Mit diesem Strategem wird der Bereich der „bewussten Täuschung“ betreten. Inszenierte Lügen ohne wirklich existierende Grundlagen veranlassen den Gegner dazu, an unreale Dinge so zu glauben, als ob sie wirklich da seien. Er verwechselt „Sein“ mit „Schein“ und beurteilt die wirkliche Lage falsch.

 

 

Die historische Gegebenheit hinter dem 7. Strategem:

 

 

Im 14. Jahr der Regierungszeit der Tang-Dynastie (ca. 755 n. Chr.) des Kaisers Xuanzong , revoltierte An Lushan, ein beliebter Beamter des Kaisers.

 

Schon bald wurde die Stadt Yongqui von Ling Hu Chao, einem General von An Lushan, belagert. Der damalige Kommandant der Verteidigungskräfte war Lhang Syun. Die Lage seiner Stadt war nahezu aussichtlos, weil sie weder eine genügend große Garnison hatte, noch genügend Munition, um sich lange gegen eine Belagerung verteidigen zu können. Jhang Syun war sich im Klaren, dass er im offenen Kampf keinerlei Chancen hatte und dass ihn nur ein kluger Plan retten könne. So ließ er tausend lebensgroße Strohpuppen herstellen und sie schwarz kleiden, mit einem Helm auf dem Kopf und einem Holzschwert am Gürtel. Unter dem schwachen Mondlicht im Rücken und dem Schutz der Nacht, wurden die Dummies an Seilen die Stadtmauern hinabgesenkt. Das blieb beim Feind nicht unbemerkt, so dass dieser zum Angriff überging. Mit Pfeil und Bogen bewaffnete Scharfschützen schossen mit Pfeilen und durchbohrten viele feindliche „Soldaten“. Als sie bemerkten, dass es sich um Strohpuppen handelte, ließen sie vom Angriff ab und zogen sich in ihre Quartiere zurück. Jhang Syun ließ die Puppen hochziehen, so dass sie genügend Pfeile für die Verteidigung hatten.

 

Einige Nächte später kam der Mond in derselben Weise zum Vorschein, wie in der vorangegangenen „Nacht der Pfeile“. Es herrschte hektische Betriebsamkeit auf den Zinnen der Stadt und unterhalb von diesen. Ling Hu Chao lachte darüber, dass Jhang Syun wieder denselben Trick anzuwenden versuchte und befahl seinen Soldaten, die „Strohpuppen“ zu ignorieren. Während sich die Aufmerksamkeit der angreifenden Soldaten auf die Tore der Stadt richteten, gerieten sie in den Hinterhalt der „500 Strohpuppen“ und sahen sich plötzlich zweier angreifender Fronten gegenüber. In der Folge besiegte Jhang Syun den feindlichen General Yong Chau und rettete die Stadt Yongqui.

 

 

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