12. Strategem

Das Schaf immer mitnehmen, wenn sich die kleinste Gelegenheit bietet

 

 

Kategorie:

Gegenangriff

 

Sinnhaftigkeit: 

Es ist jede Chance zu nutzen, die sich einem bietet, denn meist kommt sie nicht so schnell wieder.

 

Strategemziel:

Viele Sandkörner auf einem Haufen ergeben auch eine Pagode.“
(Chinesisches Sprichwort)
„Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert!“
(Deutsches Sprichwort)

Wo immer sich kleine Gelegenheiten bieten, müssen sie zum eigenen Vorteil genutzt werden.

 

Taktik: Jeder macht Fehler. Manche Fehler sind klein, manche groß. Wenn man auf die Fehler des Gegners achtet, kommen immer wieder Gelegenheiten, einen eigenen Vorteil daraus zu ziehen. Die Summe kleiner Vorteile machen am Ende einen großen Vorteil.

 

Ein kleiner Junge hatte im Haushalt die Aufgabe, morgens die Teller für die Katzen zu füllen und dabei die heruntergefallenen Stücke des Trockenfutters wieder auf den Teller zu legen. Eines Tages sprach er zu seinen Eltern und sagte: „Ich möchte gerne für die Katzen eine Schüssel mit einem hohen Rand haben, damit keine Stücke des Trockenfutters mehr daneben liegen, die ich dann aufsammeln muss!“ Die Eltern waren erstaunt über diesen Vorschlag, denn die Teller waren hübsch und unbeschädigt, so dass sie keinen Grund sahen, die Faulheit des Sohnes zu unterstützen. Darauf entgegnete er: „Ich soll jeden Tag die Katzennäpfe auffüllen. Für die heruntergefallenen Stücke des Trockenfutters brauche ich täglich etwa zwei Minuten – nicht viel Zeit also. Doch innerhalb eines Jahres brauche ich dafür 365 mal zwei Minuten, also insgesamt 12 Stunden. Diese Zeit möchte ich lieber nutzen, um für die Schule zu lernen, statt meine kostbare Zeit mit dem unsinnigen Auflesen von heruntergefallenem Trockenfutter zu verplempern.“ Noch am selben Tag hatten die Katzen neue Fressnäpfe!

 

 

Es müssen also nicht immer raffgierige Chancen sein, die man zu Ungunsten eines Dritten nutzt, um eigene Vorteile zu erlangen. Insgesamt soll man bedenken, dass der Tag voller Möglichkeiten ist, die verfügbare Zeit mit wertvolleren Dingen zu füllen.

 

Oder tatsächlich auf die Suche nach Möglichkeiten gehen, für das vorhandene Geld möglichst viel Güter oder Dienstleistungen zu erhalten. Anderenfalls ist es auch sinnvoll, ein bestimmtes Ziel mit möglichst geringen Mitteln zu erreichen.

In der Wirtschaft spricht man hier vom „ökonomischen Prinzip“ und ist Gegenstand aller wirtschaftlichen Maßnahmen. Insbesondere, da die Lebenszeit begrenzt ist. Jeder Tag hat für jeden Menschen nur 86.400 Sekunden und ein Ende ist absolut sicher. Doch was er mit diesen 86.400 Sekunden täglich macht, ist ihm meist selbst überlassen und viele Menschen verplempern dieses kostbare Gut mit sinnlosen Dingen wie Fernseh gucken oder vor dem PC oder der Spielekonsole „abhängen“. Innerhalb dieser 86.400 Sekunden gibt es viele Gelegenheiten, mehr daraus zu machen.

 

 

Die historische Gegebenheit hinter dem 12. Strategem:

 

 

Etwa 354 v. Chr. plante König von Wei mit dem Namen Wei Huei einen Angriff auf den nördlichen Nachbarstaat Jhao. Zu diesen Zweck ernannte er Pang-Juan zu seinem General. Zwei Jahre später kämpfte sich die Armee von Pang-Juan durch das Land in Richtung Handan, der Hauptstadt von Jhao. Die Truppen richteten ihre Zelte außerhalb der Stadtmauern auf, um diese zu belagern. Die Bürger von Jhao waren verzweifelt und sie sahen wenig Chancen, dem drohenden Niedergang zu entkommen und baten daher den Nachbarstaat Chu, der über eine mächtige Armee verfügte, um Hilfe. Nachdem der Premierminister von Chu die Bitte vernommen hatte, wollte er dem Land Jhao zu Hilfe kommen, doch ein Berater namens Jing Sie hatte andere Pläne, die er dem König von Chu mitteilte. Jing Sie schlug vor, Truppen unter dem Vorwand der Rettung von Jhao in Marsch zu setzen, um mit vereinten Kräften Wei zu besiegen. Geschwächt von der langen Belagerung und dem Kampf gegen Wei sollte anschließend das geschwächte Jhao eingenommen werden.

 

 

Jing Sie wurde für die Entsendung der Truppen zur Rettung von Jhao eingesetzt und kämpfte mit ihnen gegen Wei. Während der Kämpfe wurde bekannt, dass die Hauptstadt von Wei von Armeen des Staates Ci angegriffen wurden und der General von Wei, Pang-Juan, begann eilig, sich zurück zu ziehen. Dabei gerieten sie aber in einen Hinterhalt und wurden durch die feindlichen Pfeile stark geschwächt. Der Kampf um die Hauptstadt forderte neue Opfer, doch am Ende konnten die Truppen die Hauptstadt verteidigen.

 

 

Während dieser Zeit waren beide Länder, also Wei und Jhao stark geschwächt und kein gefährlicher Gegner für jeden Feind. Diese „Gunst der Stunde“ nutzte Chu, sowohl gegen Wei, als auch gegen Jhao zu kämpfen und siegten mit leichter Hand. Das Schaf, das jetzt mit leichter Hand weggeführt werden konnte, waren die Länder Wei und Jhao.

 

 

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