13. Strategem

Auf das Gras schlagen, um die Schlange aufzuscheuchen

 

 

Kategorie:

Angriffslist

 

Sinnhaftigkeit: 

Wer (sprichwörtlich) auf das Gras schlägt und dabei die Schlange aufscheucht, hat einen Überblick darüber, ob und ggf. wo sie sich gerade befindet und kann die Vertreibung der Gefahr planen.

 

Strategemziel:

Den Gegner warnen / abschrecken / einschüchtern
Den Gegner durch Erregung und Provokation „aus der Deckung locken“
Einen „Versuchsballon“ starten

 

Taktik: Auf das Gras zu schlagen ist eine Methode, dem möglichen Gegner / Feind zuvor zu kommen, um ihn zu einer Reaktion zu zwingen / zu bewegen, bevor er seine eigenen möglichen Angriffsgelüste in die Tat umsetzen kann. Der Gegner wird vor dem wirklichen Angriff provoziert, um seine Reaktion zu studieren und um Rückschlüsse auf seine Stärke zu ziehen.

 

In einem Internat war es unter pubertierenden Schülern üblich, sich ohne ersichtlichen Grund anzupöbeln, eine ohne Zweifel unangenehme Art, die heutzutage als „Mobbing“ geahndet wird. Damals war es also so, dass man sich „spaßeshalber“ und sowohl grund- als auch folgenlos verbal attakierte, denn meist folgte aus der wüsten Beschimpfung keine handfeste Auseinandersetzung. Während dieser Zeit gab es in der Klasse ein Liebespaar, das bereits mehrere Monate höchst verliebt „turtelte“ und kaum voneinander ließ. Eines Tages stand der Freund in der ersten Etage im Fenster und sah auf den Innenhof hinunter, wo gerade ein Klassenkamerad entlang ging. „Hey Lucky, willst Du was auf die Fresse, dann komme einfach zu mir hier nach oben“, waren die damals üblichen Worte, weil man vor lauter Langeweile offenbar keinen anderen Zeitvertreib kannte. Kurze Zeit später erschien die „verliebte“ Freundin vor dem Freund und beichtete ihm, dass sie gerade etwas mit „Lucky“ hatte und sie sich nicht vorstellen konnten, woher der Freund das wissen konnte. Aber jetzt, da er es ja wüsste, sei der Seitensprung ja bekannt und die Freundschaft beendet.

 

 

Ja, so kann es kommen, wenn man die Schlange aufscheucht und sich jemand ertappt fühlt und zur „Beichte“ geht. Sie kann unangenehme Folgen haben.

 

 

Die historische Gegebenheit hinter dem 13. Strategem:

 

 

Während der Cing Dynastie gab es einen Bezirksrichter mit dem Namen Wang Shou Yu, der einen Stellvertreter namens Jhao Bo Ren hatte. Der Stellvertreter war in der Vergangenheit einige Male mit dem Richter aneinander geraten und sann auf Vergeltung. Eines Tages bestach Jhao Bo Ren einen Wachmann und bat ihn darum, das Richter-Siegel zu stehlen. Kurze Zeit später fand Wang Shou Yu heraus, dass das Siegel gestohlen war und hatte seinen Stellvertreter in Verdacht, dem er jedoch nichts nachweisen konnte. Ohne das Siegel konnte Wang Shou Yu allerdings nicht richten. Der Assistent konnte mit dem Siegel nichts anfangen, denn er wollte nur die Reaktion des Richters prüfen und ihm das Siegel bei günstiger Gelegenheit wieder zurück geben. Jhao Bo Ren hatte einen Plan, indem er ein Feuer legte und jedermann verpflichtete, beim Löschen zu helfen. Während der Feuersbrunst lief Wang Shou Yu in das Gebäude, um das Siegel zu „retten“ und händigte seinem Stellvertreter die Kiste mit dem Siegel vor aller Augen aus und befahl ihm, diese zu schützen und ihm am nächsten Tag vorzulegen. Da das Siegel zwar gestohlen, die Kiste jedoch sehr schwer war, dachte der Jhao Bo Ren, dass sich ein Stein darin befinden müsse und traute sich nicht, die Kiste nicht vor den Augen der Leute zu öffnen.

 

Am nächsten Tag rief Shou Wang Yu jeden in das Gerichtsgebäude, der an der Brandbekämpfung teilgenommen hatte, um sich bei ihnen zu bedanken. Auch Jhao Bo Ren war anwesend, die Kiste mit dem Siegel in der Hand. Er übergab die Kiste an den Richter Wang Shou Yu, der diese sofort öffnete und nach dem Siegel sah. Der Stein, der die Kiste zuvor schwer gemacht hatte, war wieder durch das gestohlene Siegel ersetzt worden.

 

Hier geht es zum 14. Strategem