14. Strategem

Einen Leichnam für die Rückkehr der Seele borgen

 

 

Kategorie:

Angriffslist

 

Sinnhaftigkeit: 

Einen toten Hund tritt man nicht. Spanne einen unscheinbaren oder unverdächtigen Menschen für deine Zwecke ein.
Gieße alten Wein in neue Schläuche.

 

Strategemziel:

Sich hinter einer Person oder Sache verbergen, die keinen Argwohn auslöst und seine eigenen Zwecke verfolgen, bis die Person oder Sache überflüssig geworden ist und abgelöst werden kann.

 

Taktik: Kontrolliere einen Menschen, dem es an der Fähigkeit, Intelligenz oder Wissen mangelt, sich deiner Manipulation zu widersetzen. Nutze ein Mittel, das für Dritte an sich als nutzlos gilt und von ihnen nicht begehrt wird, um über diesen harmlos erscheinenden Weg eigene Zwecke zu verfolgen.

 

Es gibt unzählige Fernsehsendungen, die in einer ungewöhnlichen Atmosphäre wie dem Dschungel, einer einsamen Insel oder einem Kochstudio stattfinden und in der so genannte „D“-Prominente meist um Geld mitspielen und sich einen Teil des Ruhmes abschneiden möchten, den sie längst verloren haben. Die Fernsehanstalten nutzen diese an sich nicht mehr im Rampenlicht stehenden Promis dazu, eigene Einschaltquoten zu erzielen. „D“-Prominente sind preiswert zu bekommen und sich oft nicht zu schade, sich peinlichen, ekelhaften oder genierlichen Prüfungen, Rätseln oder Aufgaben hinzugeben.

 

Auch über Casting-Shows machen sich Möchtegern-Talente „zum Affen“, um den Fernsehsendern Quoten und somit hohe Werbeeinnahmen zu gewähren.

 

Auch in der Getränkeindustrie werden bereits abgeschriebene Marken nach vielen Jahren „re-animiert“, nachdem das Schlechte daran vergessen und das Gute daran verstärkt beworben wurde.

 

Die historische Gegebenheit hinter dem 14. Strategem:

 

Etwa 234 n. Chr. gab es in der Provinz Shu den General Jhu Ge Liang, der nach langer Krankheit im Sterben begriffen war. Er wusste, dass die Armee des Staates Wei die Gelegenheit nutzen würde, Shu anzugreifen und plante eine List, um dies zu verhindern. Er beauftragte also den Ches des Stabes, Yang Yi, die Nachricht von seinem Tod gegenüber seinen Soldaten so lange zurück zu halten, bis sie sich sicher auf ihr Gebiet zurückgezogen hatte. Selbst für den Fall von Angriffen auf die im Rückzug begriffenen Armee gab er zur Verteidigung Instruktionen.

 

Shi Ma Yi, der General des Staates Wei war ein Experte in Astrologie und glaubte zu wissen, dass sein Erzrivale auf der anderen Seite verstorben war, doch wusste er es naturgemäß natürlich nicht. Um also sicher zu gehen, dass Jhu Ge Liang wirklich verstorben und sein Tod nicht nur vorgetäuscht war, um die Armeen von Wei anzugreifen, schickte er Späher ins Land, um die Bewegungen der gegnerischen Armeen auszuspionieren. Zu ihrem Erstaunen stellten sie fest, dass sich die Armeen von Shu komplett zurückgezogen hatten. Somit war Shi Ma Yi überzeugt, dass Jhu Ge Liang wirklich tot war und setzte seine Truppen zu einem Feldzug gegen die Provinz Shu in Marsch.

 

 

Die Armeen von Shu wusste nicht, dass ihr General verstorben war und somit war der vermeintliche Rückzug ihrer Armee eine taktische Variante, für die ihr General bekannt war. Sie brachten sich gegen die Armee von Wei in Stellung und warteten auf die feindlichen Soldaten. Die Soldaten von Wei ritten siegesgewiß gegen Shu, als sich plötzlich gegnerischen Kanonendonner hörten, der sich gegen ihre eigenen Kameraden sichtete und rieben sich sprichwörtlich die Augen, als sie mehrere Generäle hinter einem Wagen herreiten sahen, auf dem sich der General Jhu Ge Liang befand. Shi Ma Yi rief laut: „Wir wurden betrogen!“ und befahl den sofortigen Rückzug seiner Armeen, die von den Soldaten Wei’s nunmehr verfolgt und geschlagen wurden, nicht wissend, dass sich auf dem Wagen nur eine Holzpuppe auf dem Wagen befand, die nur in der Rüstung des tatsächlich verstorbenen Generals gesteckt wurde und den Eindruck erweckte, es handele sich wirklich um den lebenden General.

 

Die List bestand darin, sich noch zu Lebzeiten des sterbenden Generals den „Leichnam“ in Form einer ausgestopften Rüstung zu „borgen“ und ihn gegen die gegnerischen Truppen mit dem Ziel einzusetzen, diese damit zu täuschen und die Verwirrung zu nutzen, um sie vernichtend zu schlagen.

 

 

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