16. Strategem

Den Tiger aus den Bergen in die Ebene locken

 

 

Kategorie:

Angriffslist

 

Sinnhaftigkeit: 

Den Gegner aus seinem gewohnten Umfeld in eigenes Terrain locken oder ihn von ihm wichtigen Helfern trennen.

 

Strategemziel:

Den Gegner zum Kampf in eigenes Terrain locken und ihm damit überlegen sein.

 

Taktik: Einen Helfer als „Köder“ einsetzen und den Gegner in Schwierigkeiten bringen. Anschließend auf den Gegner zugehen, ihm „Hilfe“ anbieten und ihn dazu zu verleiten, auf das eigene Gebiet / Terrain zu wechseln.


Wir wissen es vom Fußball und es gilt für jede andere Sportart: Die Heimmannschaft ist deutlich im Vorteil. Gerade beim Fußball sagt man, die Heimmannschaft spiele mit dem „12. Mann“. Und so wird jeder Angriff des „Tigers“ auf seinem angestammten Terrain zu einem unwägbaren Abenteuer, das durchaus im Chaos enden kann.

 

 

Selbst Großmächte wie die Vereinigten Staaten von Amerika in Vietnam oder die Sowjetunion in Afghanistan zeigen Schwächen auf fremden Hoheitsgebiet, weil ihnen dort die notwendige Übersicht fehlt, um ihre Waffen schlagkräftig einzusetzen. Dies waren Gründe, warum sie seinerzeit diese Kriege verloren haben. Doch den Gegner aus seiner Höhle zu locken kann sich als sehr schwer erweisen. Man muss herausfinden, wie der Gegner „tickt“ und ihm einen Köder vorlegen, auf den er anspringt. Heutige Schlagworte sind „Al Kaida“ oder „Osama Bin Laden“, bei denen Großmächte stets nervös werden und schnell handeln. Wer durch Vorspiegelung falscher Tatsachen versucht, Unruhe zu stiften hat es leicht, das Urteilsvermögen zu trüben. Viele Beamte reagieren reflexartig, ohne auf die Hintergrundinformationen zu warten und bieten somit die Gelegenheit der Unruhe, die man vermeintlich zu seinem eigenen Vorteil nutzen kann – wenn man überhaupt die Gelegenheit dazu bekommt. Umgekehrt reagiert das Regime im Iran in gleicher Weise, wenn es sich um die USA handelt, der zu schaden die Regierung trachtet.

 

 

Die historische Gegebenheit hinter dem 15. Strategem:

 

 

Als Liou Bank die Han-Dynastie gründete, übernahm er ein feudalistisches System, das seine Generäle mit Land und Titel im Verhältnis zu den Verdiensten in der Schlacht belohnte. Dieses System diente dazu, die Generäle zu befrieden und damit von einem Krieg gegen den Herrscher abzuhalten. Im Ergebnis herrschten die Generäle über große Ländereien und ebenso große Armeen, die unter ihnen dienten. Als sich die politische Lage stabilisiert hatte, begann Liou Bang sich Sorgen um seine Zukunft zu machen, zu stark waren die Generäle geworden und er fürchtete sich vor einer Revolte und zu sehr war er ihnen ausgeliefert. Besonders Han Sin hatte sich die meisten Verdienste in Schlachten erworben und war somit zu einem der mächtigsten Bedrohungen für Liou Bang geworden.

 

Ein Berater Liou Bangs mit dem Namen Chen Ping erarbeitete einen Plan um Han Sin zum Verlassen seiner Festung zu bewegen, in der er von seinen Armeen geschützt war und in der er ohne eine verlustreiche Schlacht nicht gefasst werden konnte. Unter dem Vorwand einer Jagd wurde Han Sin zu Liou Bang eingeladen. Dort wurde ihm jedoch eröffnet, dass Spione gemeldet hätten, Han Sin würde einen Aufstand gegen Liou Bang planen und ließ ihn verhaften. Vor die Wahl gestellt, wegen Hochverrats gehenkt zu werden oder sich im Range eines Marquis mit deutlich weniger Land und Truppen zufrieden zu geben, wählte Han Sin das „kleinere Übel“ und ließ die Konfiszierung von Land und Truppen gegen sich gefallen.

 

 

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