17. Strategem

Einen Ziegel werfen und einen Jadestein gewinnen

Sinnhaftigkeit: Das Werbegeschenk-Strategem (Reziprok-Strategem): Mit einem minderwertigem Gegenstand oder einer minderwertigen Leistung einen höheren Profit, eine höherwertige Sache oder höherwertige Dienstleistung zu erzielen bzw. zu erhalten. Wer immer ein Geschenk erhält, hat den Wunsch, ein solches zurück zu geben. Da man sich meist nicht "lumpen lassen will", wird das zurückgegebene Geschenk höherwertig sein, als das ursprüngliche Geschenk.

 

Strategemziel: Mit geringem Einsatz ein höheres Ziel erreichen.

 

Taktik: Geschenke machen, den Gegner ködern, sich beliebt machen, internes Wissen anbieten, um ein persönlich und individuell unterschiedlich höherwerties Ziel zu erreichen.

 

Dass Geschenke die Freundschaft erhalten ist hinlänglich bekannt. Das hängt damit zusammen, dass wir unser Nomadentum als Jäger und Sammler noch nicht ganz abgelegt haben und immer noch auf das „Schnäppchen“ reflektieren. Dass große Kaufhäuser in der Werbung darauf hinweisen, dass man mit besonders günstigen Preisen das besonders hochwertige Gerät genau dort erwerben kann und ansonsten doch „blöd“ ist, können wir täglich vernehmen.


Doch in welcher Form der Köder ausgelegt wird, ob als überzuckerte Praline oder als Trojanisches Pferd hängt mit dem Ziel zusammen, das Sie verfolgen. Grundsätzlich geht es in diesem Strategem darum, mit wenig Aufwand ein möglichst hohes Ziel zu verfolgen. Aus der ökonomischen Lehre kennen wir das „ökonomische Prinzip“, das bei gegebenen Mitteln („Ziegelstein“) ein möglichst großes Ziel (den in China hochwertige „Jadestein“) zu erreichen oder umgekehrt ein gegebenes Ziel mit möglichst geringen Mitteln zu erlangen versuchen.

Aus der Versicherungs- und Finanzwirtschaft kennen wir die „Bausteinvorsorge“ bei der Interessierten eine umfangreiche Beratung und Analyse nebst einem Vorsorgeordner und Ordnung in ihren Unterlagen angeboten wird („Ziegelstein“). Gleichzeitig spart der Kunde aus der Finanzoptimierung viele Tausend Euro und der Versicherungs- bzw. Finanzmakler erzielt ein Einkommen aus seiner Beratung („Jadestein“).

Hier herrscht eine sog. „Win-Win“-Situation vor. Beide Partner gewinnen, indem der „Ziegelstein“-Werfende mit dem Bausteinvorsorgeordner und der damit verbundenen Optimierung der finanziellen Angelegenheiten eine Vorleistung („Ziegelstein“) bringt und bei erfolgreicher Finanzoptimierun ein Einkommen erzielt („Jadestein“). Der Begünstigte Kunde erhält im Rahmen der Beratung und Optimierung seiner Finanzen nicht nur einen individuellen Finanzordner, sondern spart in der Regel auch viel Geld durch eine Optimierung der Verträge oder Ausschöpfung staatlicher bzw. Steuerlicher Mittel.

Einen simplen Ziegelstein gegen einen Jadestein einzutauschen ist mit Sicherheit eine gelungene Transaktion, bei der es meist jedoch nur einen Gewinner gibt. Zudem muss man seinen Gegner erst einmal dazu bringen, in ein solches Geschäft einzusteigen. Daher legen sie einen Köder aus, der für den Gegner zunächst vorteilhaft und verlockend erscheint und als leichte Beute zu erhalten ist. Als Gegenleistung erhalten wir ein viel wertvolleres Gut, wobei die Frage gestattet ist, ob es auch für den Gegner wertvoll ist.

So haben sich beispielsweise Tauschbörsen von Haushaltsartikel etabliert, deren Ziel es ist, aus einem einfachen Gegenstand wie beispielsweise einem Kugelschreiber oder einem Bild einen höchstmöglichen Gewinn zu erzielen, der durchaus auch in Form eines hochwertigen Autos oder einer Luxusreise bestehen könnte. Dieses Verfahren ist auch eine gute Übung für alle, die sich darin üben möchten, Scheu vor Verhandlungen abzulegen.

 

Eine weitere Möglichkeit, einen Ziegelstein gegen einen Jadestein einzutauschen besteht darin, das ursprüngliche Gut („Ziegelstein“) so wertvoll zu verpacken, dass es wie ein teures Geschenk aussieht, während der Beschenkte sich nicht „lumpen“ lassen möchte und ein Gegengeschenk („Jadestein“) macht, das dem vermeintlichen Wert des ursprünglichen Gutes weit übersteigt. Allerdings beruht diese Taktik darauf, dass der Beschenkte die List nicht durchschaut und postwendend einen Ziegelstein zurück schickt.

 

 

Weitere diesbezügliche Transaktionen sind Schlussverkäufe, Preisaktionen, „Nullzins“ bei Ratenkäufe, Rabattaktionen etc.)

 

 

Aktuelles Beispiel für missglückte Preissenkungsaktionen liefert die Firma Rossmann, der von der Verbraucherzentrale Hamburg vorgeworfen wurde, Kunden mit vorgeschobenen Preissenkungen anzulocken. Bei den Aktionen wurden Preise durchgestrichen, die angeblich der vorherigen Preishöhe entsprachen und mit aktuellen Preisen unterschrieben. Kunden wurden jedoch hinters Licht geführt, weil die ursprünglichen Preise die „Unverbindliche Preisempfehlung (UVP) des Herstellers“ darstellte. Die Verbraucherzentrale Hamburg kritisierte, dass mit diesen Lockvogelangeboten Kunden in die Märkte geholt und getäuscht würden.

  • HIER geht es zur Meldung vom 2. Februar 2011

Nullzinsaktionen liefert die Firma Mediamarkt, um im hart umkämpften Markt der technischen Artikel hohe Umsätze zu erzielen. Dass agressive Werbung auch trotz „Ziegelstein“ auf Dauer nicht funktionieren muss, zeigt der Rauswurf ihrer bisherigen Multimedia-Agentur wegen sinkendem Umsatz

Die historische Gegebenheit hinter dem 17. Strategem:

Tang Tai Zong war ein glühender Verehrer von Kalligraphien (Wikipedia: „…..die Kunst des „Schönschreibens“ von Hand, mit Federkiel, Pinsel, Tinte oder anderen Schreibutensilien.“) und in diesem Zusammenhang hatte es ihm eine ganz besonders angetan, dessen Titel „Der Vorort von Lanting“ lautete. Diese Kalligraphie befand sich im Besitz eines Mönchs mit dem Namen Bian Cai und Tang Tai Zong hatte keine Hoffnung, dass der Mönch ihm das Bild verkaufen würde. Daher ersann er eine List, um sich in den Besitz des Bildes zu bringen.

 

Er verkleidete sich als armer Gelehrter, der Wandgemälde in Tempel studierte und bat im Kloster um einige Tage Unterkunft und um die Möglichkeit, die dort vorhandenen Bilder zu studieren. Im Gepäck hatte er zwei Kalligraphien des sehr bekannten Künstlers Er Wang, die jedoch wesentlich geringwertiger waren als die Kalligraphie „Der Vorort von Lanting“. Allerdings hatte er von dieser eine Kopie angefertigt, um sie gegen das Original auszutauschen, wenn sich eine Gelegenheit böte.

Während mehrerer Gespräche zwischen Tang Tai Zong und dem Mönch Bian Cai kam das Gespräch auch auf den genannten Künstler und Tang Tai Zong erwähnte, dass er zwei Kalligraphien von diesem Künstler hätte und auch noch einige andere Exponate einer schönen Sammlung – so z. B. auch „Der Vorort von Lanting“. Der Mönch war sehr neugierig, diese Werke zu sehen und sehr erstaunt, weil er das Original des Werkes „Der Vorort von Lanting“ habe und es bereits seit sieben Generationen von einem Meister zum nächsten weitergegeben würde. Er bot an, die Werke miteinander zu vergleichen und er versprach, das gewünschte Werk am nächsten Tag zum Vergleich mitzubringen.

 

Nach einiger Zeit des Gesprächs stellte Bian Cai fest, dass die beiden (minderwertigen) Werke des Er Wang tatsächlich authentisch waren und sah Tang Tai Zong tatsächlich als wissenden Gelehrten auf diesem Gebiet an. Dieser schenkte dem Mönch Bian Cai eines der beiden Werke als Dankeschön für die Unterkunft und Verpflegung. Während der Mönch den Raum wegen einer Besorgung verließ, tauschte Tang Tai Zong das Original gegen die sehr gut gemachte Kopie und verließ das Kloster, während der Mönch das vermeintliche Original an seinen angestammten Platz brachte und die Verwechslung nicht sofort bemerkte.

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