19. Strategem

Das Feuerholz unter dem Kessel stehlen

Kategorie: Listen für Scheinangriffe und wirre Situationen

 

Sinnhaftigkeit: Um das Unkraut zu beseitigen muss man es mit der Wurzel entfernen

 

 

Strategemziel: Die Grundlage des Gegners zerstören und sich seiner Stärke nicht widersetzen. Dieses Strategem ist anzuwenden, wenn der Gegner im Vorteil ist und man seine Ressourcen erschöpfen und seine Moral schwächen will.

 

Taktik:  Wenn der Gegner mächtig und stark ist, sollte man sich nicht mit ihm anlegen, sondern seinen wunden Punkt suchen um diesen systematisch zu bearbeiten.

 

 

Um Forderungen von Arbeitnehmervertretungen gegen starke Arbeitgeber durchzusetzen, treten nicht alle Mitarbeiter in den Streik, sondern nur einige Schlüsselbereiche, wie beispielsweise Kraftfahrer, die Nachschub in die Werke bringen müssen. Auch Zulieferbetriebe der Automobilindustrie werden bestreikt, weil Fahrzeuge bereits nicht ausgeliefert werden können, wenn nur kleine Teile fehlen. Da bereits bis zu 70 Prozent eines Personenwagens mit Teilen von Zulieferbetrieben zusammengebaut werden, gibt es hier viel Potenzial.

 

Auch im öffentlichen Dienst wird oft zuerst die Müllabfuhr bestreikt, weil der Müll auf der Straße am offensichtlichsten ist. Reicht das nicht aus, sind die Kindergärten und die Schülerhorte dran. Nach dem „Daumenschrauben“-Prinzip werden die Maßnahmen immer mehr gesteigert. Am ersten Tag bleibt der Müll liegen. In der kommenden Woche zwei und in der dritten Woche drei Tage. Besonders infektiöse Abfälle aus Krankenhäuser werden entsorgt. Doch der Müll in Gegenden mit wohlhabenden Bewohnern führt gerade in heißen Tagen zu unerwünschten Geruchsbelästigungen und in der Folge zu Protesten bei der Stadtbehörde. Diese knickt dann nach einiger Zeit ein und ist erneut zu Verhandlungen und Zugeständnissen bereit.

Sich mit einem starken Gegner anzulegen ist potenziell immer gefährlich und sollte wohl durchdacht sein. Diese Erkenntnisse durften auch die spanischen Fluglotsen im Dezember 2010 erfahren, als sie für die Durchsetzung ihrer Forderungen in einen wilden Streik traten. Die Folge war ein weitgehendes Zusammenbrechen des Flugverkehrs über dem Urlaubsland Spanien. Erst als das Militär eingriff und die Fluglotsen an ihre Arbeitsplätze zwang, konnten die etwa 300.000 festsitzenden Passagiere in ihre Heimat zurückgeflogen werden. Die spanische Regierung hatte Härte gezeigt und die Fluglotsen unter Militärrecht gestellt. In der Folge konnten Fluglotsen wegen Befehlsverweigerung in einem militärischen Schnellverfahren zu langjährigen Haftstrafen verurteilt werden.

Die historische Gegebenheit hinter dem 19. Strategem:

 

Im vierten Jahr der Regierungszeit des Kaisers von Han, der Sian-Jian-An-Periode, stand dessen General Cao Cao dem starken Land Yuan Shao gegenüber. Im Jahr darauf fochten beide Länder die Schlacht am Yang Wu aus. Allerdings war Cao Cao’s Armee viel kleiner, als die 100.000-Mann zählende Armee von Yuan Shao. Außerdem waren die Truppen von Cao Cao müde, schlecht versorgt und die Nahrungsmittel waren knapp. Eine denkbar schlechte Ausgangslage für Cao Cao. Während dieser zeit gab es unerwartet einen Überläufer zu Cao Caos‘ Truppen mit dem Namen Syu You, der bis dahin Berater in Yuan Shao war. General Cao Cao befragte ihn nach einer Strategie, wie er gegen Yuan Shao gewinnen könne. Einen Frontalangriff schloss er von vorne herein aus und forderte einen listigen Plan. Syu You sah die beste Strategie im Angriff auf die Lebensmittel- und Waffenvorräte des Gegners. Sie seien leicht zu erreichen und schwach bewacht. So sandte Cao Cao einen Trupp Soldaten in das feindliche Land, um die Vorratslager in Brand zu setzen.

 

Während die Flammen an verschiedenen Orten lichterloh in den Himmel stoben, versuchten die Soldaten den Brand zu löschen. Doch der unorganisierte Abzug und Verteilung der Rettungskräfte an verschiedenen Orten schwächte die gesamte Armee, so dass es für Cao Cao ein Leichtes war, die zahlenmäßig überlegene Armee von Yuan Shao zu schlagen und die Regierung von Yuan Shao zu stürzen.

 

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