25. Strategem

Die Firstbalken stehlen und Stützpfeiler ersetzen

 

Kategorie:            Aushöhlungs-Strategem, Entkernungs-Strategem

 

Sinnhaftigkeit: 

Etwas die Seele nehmen, aber den Körper intakt lassen.

 

Strategemziel:

Im übertragenen Sinne die "Firstbalken und "Stützpfeiler" des Gegners angreifen, austauschen, mürbe machen oder so beschädigen, dass dessen innere Strukturen mürbe werden. Damit wird das Rückgrat des Gegners unterhöhlt und entkernt, so dass es einem gegnerischen Angriff nicht mehr Stand hält und zusammenbricht.

 

Taktik: Durch Infiltrierung oder Sabotage der gegnerischen Machtstrukturen wichtige Elemente der gegnerischen Verteidigung ausschalten. Durch Entfernung des Schlusssteins das Gewölbe der Macht, also Bündnisse mit wichtigen Partnern oder zentrale innere Organisationsstrukturen, beschädigen und sie beim geplanten Angriff einstürzen lassen.

Jedes Unternehmen, jede Streitmacht und jede Organisation dieser Welt lebt von Loyalität und starken inneren Strukturen. Wer hier angreifen will, muss Situationen schaffen, die die Stärke des Gegners unterhöhlen. Dies gelingt, indem Schlüsselpositionen des Gegners durch eigene Leute besetzt werden. Wer Einfluss auf Berater und Dienstleister des Gegners nehmen kann, kennt dessen innere Strukturen und weiß um die Taktiken des Gegners. Diese zu durchkreuzen und der Lage immer einen Schritt voraus zu sein ist der "Lohn" dieses Strategems. Wer nicht nur seine eigenen Kräfte richtig einzusetzen vermag, sondern auch die Psyche seines Gegners kennt, nimmt einen großen Einfluss auf den Verlauf der gewünschten Situation. Er kann Kräfte gezielt einsetzen, eigene Kräfte schonen und dann zuschlagen, wenn er es nach Lage der Dinge für geboten hält.

Die historische Gegebenheit hinter dem 25. Strategem:

Ming Shih Zong war ein sehr abergläubischer Kaiser und ließ sich regelmäßig die Zukunft vorhersagen. Seine bevorzugte Wahrsagerin hieß Lan Dao Sing, die, einmal von ihm einer Prüfung unterzogen, sein dauerhaftes Vertrauen genoss. Was allerdings nicht bedeutete, dass er sie nicht auch zwischendurch einmal auf ihren Wahrheitsgehalt testen ließ.

 

So schickte er eines Tagen einen Eunuchen zu Lan Dao Sing, um ihr ein vertrauliches Schreiben zu übermitteln. Als der Mann bei der Wahrsagerin ankam, nahm der Kämmerer den Brief an sich und verbrannte ihn ungeöffnet vor den Augen aller Anwesenden. Dann sagte er zu Lan Dao Sing: „Dieses Schreiben enthielt einige Fragen des Kaisers an Dich. Als Meisterin der Magie weißt Du die Antworten gewiß, auch ohne die Fragen gelesen zu haben. Ich werde dem Kaiser Deine Antworten übermitteln lassen!“

Dies brachte Lan Dao Sing naturgemäß in Panik. Sie antwortete: „Woher um alles in der Welt soll ich wissen, welche Fragen der Kaiser an mich gerichtet hat, ohne sie gelesen zu haben. Dafür wird er meinen Kopf rollen lassen.“ Dann kam der Wahrsagerin eine Idee, um zu retten, was zu retten war und begleitete den Eunuchen zurück zum Kaiser. Lan Dao Sing sagte zu Ming Shih Zong, dem Kaiser: „Es war mir leider nicht möglich, die übernatürlichen Kräfte zu einer Antwort zu bewegen, denn der Eunuche, den du mir gesandt hast, war nicht unterwürfig und ergeben genug, um diese Botschaft reinen Herzens zu übermitteln. Sende einen anderen Boten. Einen Boten, der Dir, mein Kaiser, völlig ergeben ist und mir Deine Botschaft unbeschmutzt übermittelt.“ Daraufhin ließ der Kaiser den angeblich unzuverlässigen Eunuchen auch noch um den Kopf bringen und sandte einen neuen Boten an die Wahrsagerin. Diese war jetzt jedoch gewarnt und es gelang ihn, den Eunuchen abzulenken. So konnte sie den Brief mit den Fragen an sich zu nehmen und ihn heimlich gegen einen anderen kaiserlichen Umschlag auszutauschen. Statt dem übersandten Brief zu verbrennen, warf sie die Fälschung in die Flammen. So hatte sie den Brief mit den Fragen bei sich und konnte sie problemlos unter angeblicher zu Hilfenahme der Götter beantworten. Ming Shih Zong fühlte sich auf der sicheren Seite und durchblickte diese List nicht. Als der Eunuche die Antworten auf die „richtig vorhergesehenen“ Fragen überbrachte, war der Kaiser vollends von den Kräften der Wahrsagerin überzeugt und sein Vertrauen war uneingeschränkt groß.

 

Im Strategem 25 wird eine gefälschte Botschaft statt dem Original übermittelt bzw. geliefert. Der Gegner glaubt, die wirkliche Botschaft in den Händen zu halten, die jedoch vorher durch eine List ausgetauscht wurde.

 

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